
František Kupkas *Studie zu den “Newtonschen Scheiben”*, entstanden um 1911–1912 und mit einer Inschrift von 1912 versehen, befindet sich heute im Guggenheim Museum in New York. Das auf Papier gemalte Werk misst etwa 24,8 × 27,9 cm. Obwohl es sich um eine Papierstudie handelt, ist sie keine bloße Skizze, sondern ein entscheidendes formales Experiment auf Kupkas Weg zur reinen Abstraktion. Das Guggenheim Museum nahm dieses Werk in seine Orff-Sammlung auf, und der Titel *Newtonsche Scheiben (Studie zu “Fuge in zwei Farben”)* deutet zudem darauf hin, dass Kupka bereits damals versuchte, Farbe, Optik und musikalische Komposition zu einer neuen abstrakten Bildsprache zu verbinden.
Versteht man dieses Werk im Kontext des “konzentrischen Expansionsmoduls”, tritt seine Typizität deutlich hervor. Das Bild besteht nicht aus horizontalen und vertikalen Rastern, sondern aus einer Grundordnung von Zentren, Scheiben, Bögen und ringförmigen Farbbändern, die sich kontinuierlich vom Zentrum nach außen ausdehnen. “Konzentrizität” ist hier keine mechanische Verzahnung der Ringe, sondern eine rhythmische Expansionsstruktur: Manche Scheiben sind vollständig und klar erkennbar, andere nur Bogensegmente, manche Farbringe überlappen sich, und manche scheinen sich zum Bildrand hin auszubreiten. Mit anderen Worten: Kupka stellt keine statischen Kreise dar, sondern nutzt vielmehr kreisförmige Beziehungen, um ein kontinuierlich fließendes visuelles Energiefeld zu organisieren.
Das Bemerkenswerteste an diesem Werk ist die Erhebung des Kreises von einer bloßen geometrischen Form zu einem Strukturprinzip. Die Beschreibung des formalen Werks in der Britannica, *Newtonsche Scheiben (Studie zu “Fuge in zwei Farben”)*, weist darauf hin, dass der Titel in direktem Zusammenhang mit Newtons Forschung zum Farbspektrum steht, insbesondere mit der Idee, dass Sonnenlicht in ein kontinuierliches Farbspektrum zerlegt werden kann. In dieser Studie sind die Farbbänder Rot, Orange, Gelb, Grün und Blau nicht an die Oberfläche eines Objekts angefügt, sondern in einem rotierenden, sich überlappenden und fortschreitenden Kreissystem angeordnet. Farbe ist hier nicht länger Füllmaterial, sondern Teil der Struktur selbst: Je weiter sich die Farben nach außen ausdehnen, desto stärker wird die kreisförmige Ordnung, wodurch die gesamte Komposition einen pulsierenden Rhythmus erhält, der vom Zentrum ausgeht.
Visuell liegt der Reiz dieses Werkes nicht in der Symmetrie, sondern in der “Ordnung in der Bewegung”. Konzentrisch expandierende Module verfallen oft in starre Wiederholungen, doch Kupka bewahrt die Lebendigkeit des Bildes durch Größenunterschiede, diskontinuierliche Kurven, überlappende Farbschichten und Richtungswechsel. Was der Betrachter sieht, ist kein starres, geschlossenes Kreissystem, sondern vielmehr eine Reihe von ständig vibrierenden Scheiben, Schallwellen oder Spuren. Obwohl es sich also um eine zweidimensionale Abstraktion handelt, vermittelt das Werk ein starkes Gefühl von Zeit und Musik. Britannica erwähnt ausdrücklich, dass sich “Fuge” im Titel auf die Fuge in der Musik bezieht, und Kupka versucht, die visuelle Struktur wie ein musikalisches Thema wiederholen, variieren und fortschreiten zu lassen.
Dies erklärt auch, warum die *Studie zu den “Newtonschen Scheiben”* in der Geschichte der geometrischen Abstraktion so bedeutend ist. Sie zeigt, dass “konzentrisch expandierende Module” nicht einfach ineinander verschachtelte Kreise sind, sondern sich zu einem komplexeren Wahrnehmungssystem entwickeln können: Der Mittelpunkt fokussiert, die äußeren Ringe diffus, überlappende Bereiche erzeugen Rhythmus und Tiefe, und die zusammengesetzten Farbbänder lassen das Bild vibrieren. Mit anderen Worten: Kupka entwickelte die geometrische Abstraktion von der statischen Segmentierung zur dynamischen Generierung weiter. Er nutzte Kreise nicht zur Dekoration des Bildes, sondern um Ordnung zu schaffen, das Farbspektrum zu strukturieren, Musik zu simulieren und dem Betrachter eine kontinuierliche Rotation und Expansion zu ermöglichen.
Aus zeitgenössischer, kreativer Perspektive bietet diese Arbeit weiterhin direkte Inspiration für das konzentrische Expansionsmodul. Sie eignet sich besonders gut für die Umsetzung in Lichtinstallationen, Glaszwischenschichten, Klangvisualisierungen, interaktive Projektionen, Interface-Animationen und räumliche Leitsysteme, da sie kein festes Muster, sondern eine Reihe erweiterbarer, parametrisierter und dynamischer kreisförmiger Strukturlogiken bietet. Zentrum, Radius, Farbspektrum, Schichtung und Streuung – all diese Elemente können in modernen Materialien und digitalen Medien weiterentwickelt werden. Daher ist *Studie für “Newtonsche Scheiben”* nicht nur eine Schlüsselübung in Kupkas abstrakten Erkundungen, sondern auch ein wichtiger Prototyp für die Entwicklung des “konzentrischen Expansionsmoduls” von der geometrischen Form hin zu einem visuellen System.

Lektionen F2-13: Analyse der Werke von František Kupka (Zum Ansehen und Anhören der Lesung klicken)
František Kupkas *Studie zu den “Newtonschen Scheiben”*, entstanden um 1911–1912 und mit einer Inschrift von 1912 versehen, befindet sich heute im Guggenheim Museum in New York. Das auf Papier gemalte Werk misst etwa 24,8 × 27,9 cm. Obwohl es sich um eine Papierstudie handelt, ist sie keine bloße Skizze, sondern ein entscheidendes formales Experiment auf Kupkas Weg zur reinen Abstraktion. Das Guggenheim Museum nahm dieses Werk in seine Orff-Sammlung auf, und der Titel *Newtonsche Scheiben (Studie zu “Fuge in zwei Farben”)* deutet zudem darauf hin, dass Kupka bereits damals versuchte, Farbe, Optik und musikalische Komposition zu einer neuen abstrakten Sprache zu verbinden. Ihre Typizität wird besonders deutlich im Kontext der “konzentrischen Expansionsmodule”. Die Komposition basiert nicht auf einem horizontalen oder vertikalen Raster, sondern auf einer grundlegenden Ordnung von Zentren, Scheiben, Bögen und kreisförmigen Farbbändern, die sich vom Zentrum nach außen ausdehnen. Die hier verwendete “Konzentrizität” ist kein mechanisches Klingeln, sondern eine rhythmische Ausdehnungsstruktur: Manche Kreise sind vollständig und klar, andere nur Bögen, manche Farbringe überlappen sich, und manche scheinen sich zum Bildrand hin auszubreiten. Kupka stellt also keine statischen Kreise dar, sondern organisiert mithilfe von Kreisbeziehungen ein kontinuierlich fließendes visuelles Energiefeld. Das Bemerkenswerteste an diesem Werk ist, dass es den “Kreis” von einer gewöhnlichen geometrischen Form zu einem Strukturprinzip erhebt. Die Beschreibung des formalen Werks “Newtonsche Scheiben (Studie zu ”Fuge in zwei Farben“)” in der Britannica weist darauf hin, dass der Titel in direktem Zusammenhang mit Newtons Forschung zum Spektrum steht, nämlich der Idee, dass Sonnenlicht in ein kontinuierliches Spektrum zerlegt werden kann. In dieser Studie sind die Bänder von Rot, Orange, Gelb, Grün und Blau nicht an die Oberfläche eines Objekts gebunden, sondern in einem rotierenden, sich überlappenden und fortschreitenden Kreissystem angeordnet. Die Farbe dient hier nicht länger als Füllmaterial, sondern ist Teil der Struktur selbst: Je weiter sich die Farben nach außen ausdehnen, desto stärker wird die kreisförmige Ordnung, und das gesamte Bild erhält so eine rhythmische Pulsation vom Zentrum nach außen. Visuell liegt der Reiz dieses Werkes nicht in der Symmetrie, sondern in der “Ordnung in der Bewegung”. Konzentrisch expandierende Module verfallen oft in starre Wiederholung, doch Kupka erhält die Lebendigkeit des Bildes durch Größenunterschiede, diskontinuierliche Kurven, überlappende Farbschichten und Richtungswechsel. Was der Betrachter sieht, ist kein starres, geschlossenes Kreissystem, sondern vielmehr eine Reihe von ständig vibrierenden Scheiben, Schallwellen oder Spuren. Obwohl dieses Werk eine flächige Abstraktion ist, besitzt es daher ein starkes Zeit- und Musikgefühl. Britannica erwähnt ausdrücklich, dass sich die “Fuge” im Titel auf die Fuge in der Musik bezieht, und Kupka versucht, die visuelle Struktur wie ein musikalisches Thema wiederholen, variieren und fortschreiten zu lassen. Dies erklärt auch, warum die *Studie zu den “Newtonschen Scheiben”* in der Geschichte der geometrischen Abstraktion so bedeutend ist. Es zeigt, dass “konzentrisch expandierende Module” nicht einfach ineinander verschachtelte Kreise sind, sondern sich zu einem komplexeren Wahrnehmungssystem entwickeln können: Der Mittelpunkt fokussiert, die äußeren Ringe diffus, die überlappenden Bereiche erzeugen Rhythmus und Tiefe, und die zusammengesetzten Farbbänder lassen das Bild vibrieren. Anders ausgedrückt: Kupka entwickelte die geometrische Abstraktion von der statischen Aufteilung zur dynamischen Generierung weiter. Er nutzte Kreise nicht zur Dekoration, sondern um Ordnung zu schaffen, das Spektrum zu strukturieren, Musik zu simulieren und dem Betrachter eine kontinuierliche Rotation und Expansion zu ermöglichen. Aus heutiger kreativer Sicht inspiriert dieses Werk noch immer das konzentrisch expandierende Modul. Es eignet sich besonders für die Umsetzung in Lichtinstallationen, Glaszwischenschichten, Klangvisualisierungen, interaktive Projektionen, Interface-Animationen und räumliche Leitsysteme, da es kein festes Muster bietet, sondern eine kreisförmige Strukturlogik, die vergrößert, parametrisiert und dynamisch gestaltet werden kann. Zentrum, Radius, Spektrum, Schichtung, Diffusion – diese Elemente können in modernen Materialien und digitalen Medien weiterentwickelt werden. Daher ist die *Studie zu den “Newtonschen Scheiben”* nicht nur eine Schlüsselstudie in Kupkas abstrakter Erkundung, sondern auch ein wichtiger Prototyp für die Entwicklung des „konzentrischen Expansionsmoduls“ von der geometrischen Form hin zu einem visuellen System.
